Jordan Sonnenblick, Wie ich zum besten Schlagzeuger der Welt wurde –

und warum!

Tim hatte längere Zeit kein neues Buch mehr angefangen, stattdessen die Harry Potter-Bände wieder hervorgeholt. Geduldig wartete er zudem auf den zweiten Magnus Chase-Band, der aber erst Ende Mai erscheinen würde.

Dann kam er kürzlich aus der Schule und hatte sofort ein Buch vor der Nase. Erstaunt fragte ich, was er denn da lesen würde und sofort sprudelte er heraus, dass die Klasse nun im Deutschunterricht ein Buch lesen würde. Es sei von einem amerikanischen Autor, handele von einem 13jährigen Jungen, dessen kleiner Bruder an Leukämie erkrankt ist und ganz toll! Ich sollte es auch unbedingt lesen.
Da Tim mit dem Lesen des 200 Seiten starken Buches recht schnell fertig war, schnappte ich es mir also und war nach zwei Tagen ebenfalls durch. Mein Fazit: Ich kann die Begeisterung meines Sohnes völlig nachvollziehen. Dem Autor Jordan Sonnenblick ist mit diesem Buch ein einfühlsamer Roman über die schwere Erkrankung eines kleinen Jungen und was das mit seiner Familie macht gelungen. Es wirft auch ein Schlaglicht auf das amerikanische Gesundheitssystem: Fahrten in die weit entfernte Klinik oder mit dem Krankenwagen werden eben nicht so ohne weiteres erstattet – schon nach wenigen Monaten stehen Forderungen in fünfstelliger Höhe ins Haus. Die Familie hat Mühe die Rechnungen zu bezahlen – zumal sich die Mutter von ihrer Arbeit als Lehrerin hat freistellen lassen, um ihren jüngeren Sohn rund um die Uhr betreuen zu können.
Der 13jährige Steven erzählt aus seiner Perspektive, wie sich die Erkrankung seines kleinen Bruders auf die Familie auswirkt und wie er selbst darunter leidet, dem Fünfjährigen nicht helfen zu können – zusätzlich auch immer die Geldprobleme der Eltern vor Augen.
Sonnenblick gelingt es, durch die leicht schnodderige Jugendsprache Stevens, den schweren Schicksalsschlag dieser Familie unverkitscht und trotzdem berührend darzustellen. Selten gelingt es Autoren, ein derart sensibles Thema so unverstellt und trotzdem berührend mit einem Schuss Galgenhumor vorzubringen. Ich glaube, die „flotte Schreibe“ des Autors war es auch, die Tim besonders angesprochen und ihn für das Buch eingenommen hat.
Sonnenblick hat somit das schwierige Thema „Krebs bei Kindern“ auch dem jugendlichen Leser nahebringen können. Völlig zu Recht wurde das Buch für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.
Und gar nicht mal so ganz nebenbei erfährt der Leser auch noch eine Menge übers Schlagzeugspiel, denn Steven ist ein begnadeter Drummer. So verhilft die Musik der von Geldnöten geplagten Familie dann auch ganz unverhofft zu einem Ausweg aus ihrer finanziellen Misere…

Ein lesenswertes Buch, das ich jungen Lesern dringend ans Herz legen möchte!

Im Original heißt das Buch übrigens sehr originell „Drums, Girls & Dangerous Pie“ – das klingt nun wirklich um Längen besser als die deutsche Übersetzung! Da hätte man sich auch einen passenderen Titel einfallen lassen können!